15

Foto: Digi Dave

Und wieder geht eine Saison zu Ende. Am letzten Wochenende war es wieder soweit. Die Weltpremiere unseres fünfzehnten Films, less. Zwei Wochen vor der Premiere waren wir eigentlich mit der Postproduktion recht gut in der Zeit. Ich hatte alle meine Angelegenheiten (Poster, Verpackung, T-Shirts, Animationen) ziemlich entspannt mit genügend Puffer abgearbeitet. Doch der Schnitt und besonders das Sound-Design bereiteten uns noch bis wenige Stunden vor der Premiere Kopfzerbrechen. Und so wurde es mal wieder ein Fotofinish. Um 18.35 exportierten wir den Film und um 20.10 öffneten die Tore des City Hall Amphitheaters, wo unsere Premiere stattfand. Das war definitiv eines der knappsten Fertigstellung, die ich bis jetzt bei Level 1 mitgemacht habe. Nur After Dark war noch schlimmer, da haben wir selbst nach der Premiere noch den halben Film umgeworfen.

Dem entsprechend waren wir alle ziemlich gestresst und angespannt. Der Schlafmangel tut dann sein übriges. Aber wir machen das ja nicht zum ersten Mal und zum Glück ist es auch nur einmal im Jahr.

Die Premiere war dann aber wieder ein voller Erfolg. Wieder hatten sich knapp tausend feierwillige Gäste eingefunden. Und nachdem alle kleineren und größeren Feuer gelöscht waren, die Tombola und der Merchandise Verkauf erledigt waren, und wir beim Film Play gedrückt haben, kann man von Minute zu Minute spüren, wie einem die Last von den Schultern fällt. Nach und nach löst sich die Anspannung und man kann sich endlich über seine Arbeit freuen. Und das schönste daran ist, dass man die Fertigstellung mit seinen Freunden feiern kann. Für die Premiere kommen viele Freunde und Bekannte von nah und fern zusammen und lassen es ordentlich krachen. Ich denke, uns ist mit less wieder ein guter Film gelungen, auf den wir stolz sein können. Fast mehr denn je, sind wir unserer Linie treu geblieben und verzichten auf jegliche Form des epischen, aufgeblasenen Sports. Wie der Name des Films schon sagt, ist weniger einfach mehr. Hoffentlich sehen das unsere Fans auch so.

Leider ging die After Party viel zu schnell rum und ich hatte kaum Gelegenheit, mit den vielen Freunden zu quatschen und zu feiern. Aber dafür sahen wir uns alle am Sonntag Mittag noch einmal zu einem ausgiebigen Brunch.

Nach so einem Prozess dauert es immer eine Weile, bis sich Körper und Geist wieder erholen. Und am Montag galt es auch noch den Film für Blu-Ray, DVD und iTunes fertig zustellen. So waren Josh und Jonny noch bis Dienstag damit beschäftigt, die letzten Fehler auszumerzen und die finale Version des Films zu exportieren. Ich war bis Mittwoch damit beschäftigt, die DVD und Blu-Ray Master zu erstellen. Es wird echt langsam Zeit, dass diese Medien aussterben. Die Software Firma Adobe stellt nicht mal mehr Updates für deren Disc-Mastering Software her. Und auf der Hälfte unserer Rechner will das Program sowieso schon nicht mehr starten. Dem entsprechend holprig ist das Program dann. Nix funktioniert auf Anhieb und man stößt ständig auf Limitierungen. Aber am Mittwoch ging dann endlich der letzte FedEx Umschlag mit dem DVD Master raus. Das ist dann wirklich der letzte Part der Postproduktion. Alles was jetzt noch zum Thema less kommt zähl ich zum Marketing und Vertrieb. Und da ist wenigstens der Zeitdruck weg.

So sitze ich zum Beispiel gerade (Das war am Freitag) im Auto mit Josh, Jonny und unseren beiden Athleten Lucas Stål-Madison und Will Berman in Richtung Salt Lake City. Dort schmeißen wir morgen unsere zweite Premiere. Auf die Salt Lake Premiere bin ich nie wirklich scharf, aber wenigstens sehe ich so Kyle mal wieder. Wird also sicherlich lustig. (Es war lustig. Vor allem mit Kyle in seinem Häuschen abzuhängen und in seinem Garten bei einem Lagerfeuer Bier zu trinken. Die Premiere lief recht gut, wobei halt immer das prüde Utah etwas auf die Partybremse tritt.)

Photo Aug 28, 10 09 51 PMNeben dem krassen Wochen im Büro sind doch tatsächlich noch ein paar Dinge in meinem privaten Alltag passiert. Einige Sachen hab ich schon wieder vergessen, aber ich war mit Jonnie und Freedle (der mit ‘ie’ ist Jonnie Sirotek und der mit ‘y’ ist Jonny Durst. Jonnie war mal unser Praktikant und arbeitet jetzt als Cutter für eine Produktionsfirma in Denver. Und Jonny Durst filmt und schneidet seit letztem Jahr für uns und ist quasi einer der Nachfolger von Kyle) bei einem Jamie XX DJ Set. Komischerweise legte er im Bluebird Theater auf, was eigentlich eher für Konzerte gedacht ist. In einem normalen Club wäre Jamie XX sicherlich besser aufgehoben. War aber trotzdem ein super Set.

Dann erreichte mich die freudige Nachricht, dass Jonnie und sein Bruder Teddy ab nächsten Monat meine Nachbarn sein werden. Die beiden waren schon seit einer Weile auf der Suche nach einem Haus. Hab ich ja schon mehrmals erzählt, dass es in den USA nichts ungewöhnliches für Mit-Zwanziger ist, sich ihr ersten Haus zu kaufen. In der amerikanischen Infrastruktur gibt es – mal New York, San Francisco und Chicago ausgenommen – immer noch recht viel Platz. Dadurch wird noch viel mehr in die Breite gebaut. Und so stehen überall kleine Einfamilienhäuser herum. Neben der kleinen Größe sind die Häuser dazu noch recht einfach und billig gebaut. Dazu kommt noch die Amerikanische Mentalität, dass es auch völlig normal ist, sein Haus selbst nach nur wenigen Jahren mit samt des Kredits einfach weiterzuverkaufen. So hat ein Hauskauf hier nicht gleich so etwas Finales, wie es vielleicht in Deutschland immer den Anschein hat. Nicht desto trotz, ist der Immobilienmarkt in Denver gerade ziemlich unter Strom. Denver ist eine der am stärksten wachsenden Metropolen in den USA. Gerade die Mit-Zwanziger oder – inzwischen extrem gerne verwendet – Millenials zieht es in Scharen nach Denver. Und die wollen natürlich alle gerade etwas mieten oder kaufen. So werden überall in Denver immer noch wie verrückt Apartments und Häuser gebaut. Der Bauboom kommt aber dem Bedarf nicht hinterher und so hatten auch Jonnie und Teddy einige Mühen, endlich ein passendes Haus zu finden. Doch nach langer Suche haben die beiden doch tatsächlich zwei Häuser neben meinem Gebäude einen Vertrag unterschrieben. Dort wurden in den letzten Monaten zwei Doppelhäuser rundum saniert. Und eine dieser Doppelhaushälften werden die beiden also im Oktober beziehen. Gut für mich, da ich sowieso oft mit Jonnie abhänge. So kann ich demnächst einfach zwei Häuser weiterlaufen um mit ihm Football zu schauen.

Und das bringt mich gleich zum nächsten Thema. Ich bin wieder ein kleines Stück amerikanischer geworden. Denn diese Saison nehme ich zum ersten Mal in einer American Football Fantasy League teil. Fantasy Football ist hier eine Institution. Das Spiel kann man ein wenig mit dem Bundesliga Manager Spiel Comunio vergleichen. Beim Fantasy Football gründen meistens Freunde, Familien oder Büros eine Liga. Alle Teilnehmer wählen in einem Draft vor der Saison aus dem Topf aller verfügbaren NFL Spielern ihre Mannschaft. Mit diesem Fantasie-Kader treten die virtuellen Manager dann Woche für Woche gegeneinander an. Je nachdem wie die echten Spieler also in wirklichen Welt spielen, bekommen ihre Fantasie-Klone Punkte zugeschrieben. Jede Woche spielt man so gegen einen Ligakonkurrenten und wer mehr Punkte hat, gewinnt das Match. Fantasy Football ist hier wirklich ein Volkssport. Verständlicherweise hauptsächlich von Männern betrieben ist es eines der top Themen in Kneipen, Büros und Internetforen. In allen Medien wird ausgiebig über die besten Aufstellungen, mögliche Ausfälle und Spielerwechsel diskutiert. Dazu wird in vielen Ligen in einem Wetteinsatz um viel Geld gespielt, was eine faszinierende Mini-Ökonomie kreiert. Als mit Jonnie also in seine Liga einlud, wollte ich mich diesem amerikanischen Massenphänomen nicht entziehen. Nach kurzer Recherche stellte ich noch ziemlich planlos meinen Kader zusammen und letzte Woche verlor ich – wenn auch nur knapp – meine erste Partie. Aber jetzt kann ich auch fast in jeden Football-Match einen Spieler anfeuern. Was in der überpräsenten Football Saison recht praktisch ist.

Vom Hockey gibts leider noch keine Neuigkeiten. Wir sind immer noch heimatlos und so hab ich schon seit zwei Monaten keinen Schläger mehr geschwungen. Im August ist auch die Platzsuche eingeschlafen, da ich auf der Arbeit zu beschäftigt war. Aber jetzt im Herbst werde ich das Thema wieder in Angriff nehmen.

Photo Sep 10, 10 59 54 PM

Diesen Mittwoch hat Jon (ich weiß… viel zu viele Namen mit ‘J’) wieder in seinem Büro zum Siebdruck Abend eingeladen. Also hab ich am Mittwoch nach schnell ein Design gemacht, ein paar T-Shirts bestellt. Jon hat diesmal  das Thema “Typografie” ausgeschrieben, was mir ja recht gut liegt. Also hab ich in einer – von meiner Oma inspirierten Handschrift – den Spruch “put that on a t-shirt” entworfen. Die Aussage verwendet man ab und zu im Gespräch, wenn jemand einen markigen, lustigen oder coolen Spruch losgelassen hat. Fand ich also ganz witzig, den Spruch dann tatsächlich auf ein T-Shirt zu drucken.

Photo Sep 10, 11 01 24 PM

So, ich glaube ich hab wieder die wichtigsten Themen abgearbeitet. Jetzt sollte es wieder etwas regelmäßiger mit den Einträgen werden. Hoffe ich jedenfalls.

This entry was posted in News, Office Life, Work and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.