Aspen und Denver im Ausnahmezustand

Aspen war mal wieder herrlich! Vier Tage mit traumhaftem Wetter, interessanten Meetings, guten Filmen und viel Party.

Am Donnerstag Abend stieg unsere Premiere auf dem Gipfel des Ajax Mountain.

Wieder wurde unser Film sehr positiv aufgenommen. Nach dem Premiere wurde noch etwas an der Bar gefeiert, bis man schließlich wieder mit der Gondel ins Tal befördert wurde.

Am Freitag standen dann drei Podiumsdiskussionen an. Die Zukunft von Film Distribution. Marken Bildung. Wie bilde ich mir eine Zuhörerschaft. Wobei besonders die dritte Diskussion sehr interessant war. Der Silicon Valley Insider und Blogger Robert Scoble, der Profi-Reise-Blogger Gary Arndt und der Fotograf und Networker Chase Jarvis boten besonders interessante und nützliche Einblicke in ihre Arbeit. Aber auch die Marketing Leute von Red Bull, Toyota und Gatorade konnten mit ihrem Wissen und ihrer Redegewandtheit begeistern.

Am Nachmittag starteten dann weitere Filme. Jeremy Jones’ Further und MSP’s Superheroes of Stoke waren nicht schlecht! Und Abends wurde von Stephen Marley ein Konzert im Belly Up geboten. Immer schön, wenn überall eine Open Bar auf einen warten. Generell wurden wir auf dem Meeting immer mit einem Lunch versorgt. Und das Frühstück im Hotel war sowieso spitze. So bin ich das gesamte Wochenende echt super günstig weggekommen.

Am Samstag wartete dann wieder mein persönliches Highlight auf uns. Red Bull hatte wieder die nahe liegende Rennstrecke gemietet und Go Karts für uns bereit gestellt. So konnten wir 5 Stunden lang wie die Gestörten um die Wette heizen. Kart fahren macht wirklich verdammt viel Spaß. Für mich genau die richtige Mischung aus Spaß und Adrenalin. Wobei die Gefahr von Verletzungen noch äußerst gering ist.

Nach ein paar weiteren Filmen, unter anderem einem sehr enttäuschenden Film von Poor Boyz Productions, wartete die abschließende Party im Belly Up.

Gemeinsam mit Chip ging es am Sonntag vormittag wieder zurück über den Independence Pass nach Denver. Wieder zeigte sich Aspen von seiner schönsten Seite.

Zurück in Denver erwartete mich wieder der Büro Alltag. Feinschliff an der Website, Produkte fotografieren, T-Shirts gestalten und die Produktion überwachen usw. Und jedes Mal, wenn Josh’s Handy klingelt, horchen wir alle besonders genau hin. Lindsey’s errechneter Tag der Endbindung war letzten Sonntag. Jetzt warten wir alle, dass es endlich passiert.  Josh hofft auf heute, da die beiden heute auch ihren Hochzeitstag haben. Aber dafür wird es wohl langsam etwas zu spät. Auf jeden Fall sitzt er neben mir auf glühenden Kohlen am Schreibtisch.

Doch nicht nur im kleinen Kreis ist Denver heute etwas nervös. Heute Abend steigt die erste TV-Debatte zur Wahl ausgerechnet in Denver. Die University of Denver (DU) hat einen ordentlichen Batzen Geld in die Hand genommen, um dieses riesige TV Event zu veranstalten. Neben dem generell logistischen Aufwand kommt natürlich die Frage der Sicherheit hinzu. Denn mehr noch als die Themen die heute Abend diskutiert werden, interessieren sich die Bewohner Denvers für die Vollsperrung der Autobahn I-25. Die Stadtautobahn wird zur Rushhour im Bereich, der direkt am Veranstaltungsort vorbeiführt gesperrt. Seit Tagen drehen sich die lokalen Nachrichten nur noch darum, wie die Menschen die Sperrung der wichtigsten Nord-Süd Verbindung der Stadt umgehen können.

Mich beeindruckt aber viel mehr das Engagement von DU. Ihr Bestreben, diese Debatte zu veranstalten zeigt wieder mal deutlich, um was es den Hochschulen Amerikas geht. Geld. Die Uni errechnete sich durch den Event einen Marketingwert von 30 Mio Dollar. Durch den Event ist DU in aller Munde. Dadurch erhofft man sich Prestige und eine größere Bekanntheit. Was wiederum zu mehr Studenten führt. Und mehr Studenten bringen mehr Geld.

Von der eigentlichen Debatte erwarte ich nicht viel neues. Die Themen zur Wirtschaft sind bereits im Voraus deutlich ausgetreten worden. Und die Kandidaten sind inzwischen so gut geschult, dass man auf einen krassen Ausrutscher sicher vergeblich wartet. Derweilen ist die Nation weiter gespalten. Hatte ich am Wochenende noch Umfragen gesehen, die knapp für Obama sprechen, so sah ich heute Morgen eine Umfrage, die von 47% vs 47% sprach. Das fällt uns Ausländern sicherlich schwer nachzuvollziehen. Was finden die Amis an Romney gut? Vor allem seine Verkörperung der altbackenen amerikanischen Werte. Schutz der Kirche, Familie, Reichtum und Unabhängigkeit. Besonders die Unabhängigkeit hat es in sich. Das Land wurde von Menschen gegründet, die entweder irgendwo verfolgt, unterdrückt oder benachteiligt wurden. In den USA fanden sie die völlige Unabhängigkeit und konnten nach ihren Vorstellungen ihre Familie und Geschäfte aufbauen. Wenn nun ein Präsident versucht, den Amis eine Krankenkasse aufzuzwingen, dann fühlen sich viele hier auf den Schlips getreten. Nennen wir es Ignoranz, Dummheit oder Stolz, aber in den USA leben sehr viele Menschen, die sich von niemanden etwas Vorschreiben lassen wollen. Und genau in diese Kerbe schlägt Romney. Steuern runter, gesetzliche Krankenkasse weg, mehr Vergünstigungen für große Firmen. Dabei wird dann gerne übersehen, dass er aber den Frauen vorschreiben will, wie und wann sie ihre Kinder bekommen sollen. Oder wer jemanden heiraten darf und wer nicht. Sehr zwiespältig.

Ich werde heute Abend wohl nur ein paar Minuten der Debatte sehen, da wir heute Abend Marks Geburtstag feiern werden. Fast schon traditionell geht es ins Le Grand. Die haben für den Herbst eine neue Karte, die ich unbedingt mal testen will.

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One Response to Aspen und Denver im Ausnahmezustand

  1. phileo says:

    Living the dream 😉 So langsam hört es sich ja wie ein celebrity leben an :)
    Ich würde mir zu gerne die Debatte anschauen, aber es läuft hier natürlich viel zu spät. Neues wird man wie du sagst nicht hören, aber ich hoffe doch irgendwie auf einen Ausrutscher.
    Ich freu mich schon auf nächste Woche, dann kann ich Denver endlich mal persönlich erleben. Also dann bis Samstag!