Colorado Field Hockey State Games

Am Wochenende waren also die State Games. Das klingt wichtiger als es eigentlich ist. Denn in USA gibt es überhaupt keine wirklichen Feldhockey Ligen für Männer. Die State Games sind also mehr ein selbstorganisiertes Spaßturnier, bei dem jeder teilnehmen kann, der schon mal einen Hockeyschläger in der Hand gehabt hat. Angetreten sind 4 Mannschaften. Colorado Springs, Fort Collins, Denver und Denver Metro. Wobei die beiden Denver Teams sich einfach aus allen Spielern aus Denver ohne großen Hintergrund aufgeteilt haben.

Wie ja schon erwähnt, ist Herren Hockey in USA quasi nicht existent. Es gibt zwar zahlreiche Highschool und College Mannschaften für Mädchen, aber darüber hinaus existiert nix. Lediglich im Süden Kaliforniens gibt es ein paar wirkliche Clubs, die sich auch zu einer Herrenliga organisiert haben. Ich hab mir sagen lassen, dass deshalb auch fast die gesamte US Nationalmannschaft ihre Spieler aus einer Region bezieht.

Unser Spaßturnier war quasi in ein Turnier für Highschool Mannschaften integriert. Dadurch hatten wir für alle Spiele Schiedsrichter vom Verband. Oben drauf gab es noch eine dauerhafte Versorgung durch Physiotherapeuten die auf den Platz sprinteten, wenn sich mal jemand verletzt hatte. Als i-Tüpfelchen standen auf beiden Auswechselbänken immer riesige, eisgekühlte Wassertanks bereit. Im Vergleich zu Deutschland war das quasi Luxus. Der Platz war, wie erwartet, ein Football Kunstrasen mit Granulat. Dafür konnten wir aber auf Großfeld, 11 gegen 11 inklusive Torhüter spielen. Wenn man alle vier Seniorenmannschaften zusammen betrachtete, waren die Männer deutlich in Unterzahl. So waren zB auf beide Denver Teams nur 6 Herren aufgeteilt. Ich spielte im Denver Metro Team. Natürlich war das ganze wieder recht international. In meinem Team waren noch ein Holländer und eine Australierin. Gespielt wurde zweimal 25 Minuten. Was völlig in Ordnung ging. Denn 1800 Höhenmeter und 34°C motivieren nicht gerade dazu, zweimal 35 Minuten zu spielen.

Gegen meine Erwartung spielten wir richtig gut. Obwohl wir so noch nie zusammen gespielt hatten und das Niveau der einzelnen eher mäßig war, harmonierten wir sehr gut als Team. Durch das allgemein niedrige Niveau, konnte ich ziemlich auftrumpfen und drückte mir selbst die Spielmacherposition im zentralen Mittelfeld auf. Dummerweise haben wir zahlreiche Chancen liegen gelassen und so kam es wie zu erwarten, dass unser Gegner mit zwei Angriffen zwei Tore erzielte. Aber das Ergebnis war mir ziemlich egal, denn es hat einfach wieder richtig Laune gemacht, auf einem Großfeld Hockey zu spielen.

Unser näcshtes Spiel war erst vier Stunden später und so konnte man sich einigermaßen erholen und sich mit den neuen Teamkollegen austauschen. Genau wie in Deutschland existiert auch in den USA eine kleine Hockeyfamilie. Man kennt sich und vermischt sich auf den Turnieren auch mit anderen Mannschaften.

Das Match war das Derby gegen die andere Mannschaft aus Denver. In einer schwachen Phase kassierten wir in fünf Minuten drei Tore. Doch kurz vor der Pause konnten wir den Anschlusstreffer markieren und kamen so mit frischem Mut aus der Pause. In einer tollen Mannschaftsleistung kämpften wir uns noch zu einem 3:3 zurück.

Danach begann die 3. Halbzeit. Eine kleine Truppe, vornehmlich Europäer, zelteten bei zwei Spielern aus Colorado Springs. Auf dem Weg dorthin deckten wir uns mit Grillgut und Kaltgetränken ein. So verbrachten wir, 17 Spieler aus allen vier Mannschaften, einen lustigen Abend im Garten von Sebastian und Monica. Rob aus Schottland diente quasi als Alleinunterhalter und hielt die Truppe bei Laune. Man konnte an diesem Abend sehr gut sehen, dass die amerikanischen Hockeyspieler nicht so sehr mit der 3. Halbzeit vertraut sind wie die Europäer. Daher war es auch keine Überraschung, dass ein Holländer, ein Schotte und ein Deutscher als letzte quasi das Licht ausmachten.

Nach einer kurzen Nacht ging es wieder zurück zum Hockeyplatz. Unser letztes Gruppenspiel gegen den Favoriten Colorado Springs verlief ebenfalls sehr gut. Wir verloren zwar mit 2:1, doch wir zeigten wieder eine tolle Mannschaftsleistung und unsere Gegner zollten uns nach Abpfiff mächtig Respekt. Ein älterer Spieler aus Springs kam nach dem Spiel zu mir und fragte, woher ich komme. Meine Antwort schien ihn sehr zu überraschen, denn er meinte, ich hätte einen Süd-Afrikanischen Akzent. Ha, das hab ich bisher noch nicht gehört.

Das Finale bestritten dann die Mannschaften aus Springs und Collins. Nach einem Unentschieden musste ein Siebenmeterschießen das Turnier entscheiden. Nicht anders als in Deutschland konnten man auch hier kaum das Drama mit ansehen. Die Damen würgten den Ball irgendwie Richtung Tor und ich hätte am liebsten ein Stück Brot hinterher geschmissen, damit der Ball nicht auf halber Strecke verhungert. Irgendwie hat dann doch Colorado Springs gewonnen.

Alles in allem war das ein fantastisches Wochenende mit vielen neuen Bekanntschaften und tollen Spielen. Irgendwie hat es auch seinen Charme, Teil einer so kleinen Minderheit in USA zu sein. Hockey ist hier ein noch weit aus kleinere Randsportart. Ein nächstes Turnier gibt es im Januar in Phoenix. Das könnte ganz witzig werden, für ein Wochenende aus dem verschneiten Colorado zu fliehen, um bei angenehmen 20 Grad in Phoenix, Arizona ein wenig Feldhockey zu spielen.

Heute ist dann auch, drei Tage “zu spät”, mein Paket aus Deutschland angekommen. Jetzt hab ich endlich meine eigenen Hockeyschläger und Schienbeinschützer. Mit den Schützern hätte ich mir die Delle in meinem Schienbein vom Wochenende erspart.

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