Mietbremse?

Hab ich im letzten Beitrag noch über die Wachstumsschmerzen von Denver gemeckert, hat’s mich jetzt selbst voll erwischt. Letzte Woche bekam ich eine e-Mail von meiner Hausverwaltung, dass mein Mietvertrag zum 31. Mai ausläuft. Bis dahin ist das nix Ungewöhnliches, da in den USA üblicherweise Mietverträge für Wohnungen nur für ein oder zwei Jahre abgeschlossen werden. Der Hammer ist allerdings die damit verbundene Mieterhöhung. $155 mehr soll mich also die neue Monatsmiete kosten. Das ist ein knackiger Anstieg von 18%. Zum Vergleich, nach meinem ersten Jahr in der Wohnung stieg meine Miete nur um angemessene $10 Dollar. Daran erkennt man also recht gut, wie krass sich der Bevölkerungswachstum im letzten Jahr entwickelt hat. Dazu kommt wahrscheinlich auch noch, dass meine Hausverwaltung im Januar gewechselt hat. Aber ich denke mal, dass ist nur der kleinere Teil des Anstiegs. Das kommt einem natürlich ziemlich blöd und ungerecht vor, wenn man auf einmal so viel mehr bezahlen soll, obwohl sich am Haus und der Wohnung überhaupt nichts verändert hat. Ist ja nicht so, als hätten wir auf einmal ein Schwimmbad im Keller. Da kann man schon fast neidisch werden auf die Debatte in Deutschland, eine Mietpreis-Bremse vorzuschreiben. Dazu hat es auch seine Vorteile, wenn man an einen unbefristeten Mietvertrag gebunden ist. Aber es gibt auch einen Vorteil des Amerikanischen Systems. Hier wird einem zB. nie eine Wohnung ohne Küche vermietet. Was in Deutschland ja gar nicht so unüblich ist. Und die meisten Wohnungen sind bereits mit Einbauschränken versehen, was einem ebenfalls Kosten für Möbel erspart. Man muss hier also niemals erst eine Wohnung tapezieren, streichen oder ausbauen, bevor man sie bezieht. Macht wahrscheinlich auch mehr Sinn, wenn die Mieter im Schnitt kurzfristiger in der selben Wohnung bleiben. Hat aber wiederum auch den Nachteil, dass man die Wohnung nur bedingt selbst gestalten kann. Ich dürfte in meiner Wohnung zB. nicht mal streichen. Als Fazit daraus kann man wohl sagen, dass der Ami im Schnitt eher und häufiger seinen Wohnsitz käuflich erwirbt. Was ich auch daran merke, wenn ich mich nur im eigenen Freundeskreis umschaue. Da kann ich einige Freunde in den USA nennen, die bereits eine Wohnung oder ein Haus gekauft haben. Von meinen deutschen Freunden fällt mir da eigentlich niemand ein.

Und um wieder zum Anfang zu kommen; wie es aussieht, werde ich die bittere Pille der Mieterhöhung schlucken. Ich hab einfach überhaupt keine Lust auf Wohnungssuche und einen Umzug.

Gestern bin ich auf eine Facebook Gruppe gestossen, die extrem gut zu meinem letzten Eintrag passt. In der Gruppe Denver Fugly (was für fucking ugly steht) zeigen Bewohner Denvers die Bausünden der letzten Jahre. Ziemlich viel gruseliges Zeug dabei. Schon allein das Titelbild ist das beste Beispiel. Das Gebäude ist noch nicht mal bezogen, sieht aber schon aus, wie aus Zwickau 1987.

Die Denver Post hat neulich einen passenden Kommentar zu diesem Thema veröffentlicht. In dem Artikel wird auch ein Zahlenbeispiel genannt, das den Wachstum sehr gut visualisiert:

There were approximately 10,500 residential units built within Denver’s center city from 2000 to 2009, while about 5,000 units were added to the downtown core from mid-2012 to mid-2014. That’s roughly half the total from the entire first decade of the 21st century — not including any recently completed units or projects planned for 2015 and beyond.

Zwischen 2000 und 2009 wurden ungefähr 10.500 Wohnungen im Stadtkern Denvers gebaut, während etwa 5.000 Wohnungen von Mitte 2012 bis Mitte 2014 in der Stadtmitte hinzugekommen sind. Das ist grob die Hälfte des gesamten Wachstums der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts – die kürzlich fertiggestellten und für 2015 geplanten Projekte nicht mit eingenommen.

 

Aber es gab auch erfreuliche Dinge in den letzten Tagen. Letzen Sonntag hatten Kaitlin und Anne Geburtstag. Dazu machten sich am Samstag Dan, Kaitlin, Drew, zwei Freunde aus Minnesota und ich auf den Weg in den Rocky Mountain National Park. Für den Nationalpark ist es im März natürlich noch etwas früh. Doch so war der Park, trotz herrlichem Wetter, noch nicht mit so vielen Touristen überlaufen. Und der Park kostet auch noch keinen Eintritt. Allerdings mussten wir unsere Wanderung auf halber Strecke abbrechen, weil auf dem Pfad doch noch zu viel Schnee lag. Ohne die richtige Schuhe bzw. Steighilfen wäre das ganze zu mühsam geworden. Aber wir hatten trotzdem eine schöne Wanderung. Nach dem wir im Auto noch eine Weile durch den Park gefahren sind, machten wir uns auf den Weg nach Fort Collins.

Estes Park

Nach einem Abstecher in einer der berühmten Brauereien mit “Biergarten” wurden wir von Meisterköchin Anne mit einer italienischen Festmahl verwöhnt. Mit vollem Bauch feierten wir schließlich in kleiner Runde in den Geburtstag der beiden hinein und übernachteten auch dort. War mal wieder schön, etwas Abwechslung von Denver zu bekommen. Wobei mir Fort Collins immer noch sehr komisch vorkommt. Die Stadt mit 150.000 Einwohnern fühlt sich an wie ein Dorf, da alles nur in die Breite gebaut wurde. Man hat hier unendlich viel Platz und selbst die Straßen in den Wohngebieten würde man in Denver vierspurig machen.

Anne's DinnerAnne und Kaitlin

Letzten Mittwoch hatte ich seit langer Zeit mal wieder ein Deutsch-Deutsches Zusammenkommen in Denver. Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Artikel von SZ.de über Haschkekse und Halloween, den ich hier letzten Herbst gepostet habe? Seit dem folge ich dem Journalisten Matthias Kolb auf Twitter und Instagram auf seinen Erkundungen durch die USA. Hin und wieder hatten wir auch über Twitter Kontakt aufgenommen. Da ihn seine Reise letzte Woche auch mal wieder durch Colorado führte, verabredeten wir uns zum Abendessen. So tauschten wir in einem langen, interessanten Gespräch unsere Erfahrungen, Erlebnisse und Meinungen über die USA aus. In vielen Punkten waren wir gleicher Meinung aber es war natürlich auch sehr Interessant, etwas mehr über die Arbeit als Journalist im Ausland zu erfahren. Wir werden in Kontakt bleiben und vielleicht bringen Matthias die Präsidentschaft Wahlen nächstes Jahr wieder in den hart umkämpften Staat Colorado.

Mitte April hab aber auch mal wieder die Möglichkeit, eine neue Ecke des Landes kennenzulernen. Nach langer Suche haben wir endlich ein Zuhause für das Superunknown Finale gefunden. Es geht an die Ostküste nach Vermont in das Skigebiet Mount Snow. Das ist insofern noch besonders Interessant, weil Josh dort zu seinen alten Wurzeln zurückkehren wird. In seiner aktiven Zeit fuhr Josh für das Skiteam von Mount Snow und seine Eltern wohnen nur etwa eine Stunde vom Berg entfernt. Anreisen werden wir am 14. April nach Boston und bleiben dann für acht Tage in Vermont. Ich bin mal gespannt, was mich in dem Bundesstaat – berühmt für Milchwirtschaft und Ahorn-Sirup – so erwartet.

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