Phoenix


Nach einer kurzen Nacht wurde ich von Will um 3.30 Uhr abgeholt. Nachdem wir noch Kaitlin und Spencer aufgesammelt hatten, ging es ab in den Süden. Wie gewöhnlich war für mich nicht an Schlaf zu denken. Das geht in Autos einfach nicht. Die Strecke war für die meiste Zeit relativ öde. Über Colorado Springs und Pueblo überquerten wir die Grenze nach New Mexico. Dessen Hauptstadt, Albuquerque, sieht sehr trostlos aus. Alles ist in sandigen Brauntönen gehalten und kaum ein Gebäude ist höher als 2 Stockwerke. Giebeldächer sucht man vergebens. Dadurch sieht die Stadt sehr eintönig aus. Also Architekt möchte ich hier nicht sein. An Santa Fe vorbei über die Grenze nach Arizona. In Flagstaff machten wir kurz Pause, da Kaitlin dort zwei Freunde für ein Bier treffen wollte. Ein Faktor, der die langen Road Trips noch schlimmer macht, ist das schlechte Essen an den Raststädten. Hier findet man wirklich nur Misst zum Essen. In Deutschland findet man wenigstens überall ein Schnitzelbrötchen oder ne Currywurst aber hier hat man nur die Auswahl zwischen eingeschweißten Toastbroat, Chips, Schokoriegel oder uralten Hotdogs. Zum Frühstück “gönnten” wir uns McDonalds, wo ich mir ahnungslos einen MacGriddle bestellte. Zu meinem Entsetzen war das ein Sandwich mit Rührei, Käse und Wurstbratling. Das hat nach nix geschmeckt. Das schlimme war aber das Außenrum. Eine Art Pancake mit injiziertem Sirup. Das war so ziemlich das Ekligste, was ich bisher in meiner Zeit in USA gegessen habe.

In Arizona findet man noch die meisten Reservoire für Indianer. Dort leben die letzten Hinterbliebenen der Ureinwohner und betreiben entweder Casinos oder verkaufen irgendwelchen Nippes and Touristen. An einer Tankstelle, an der ca. 1947 die Zeit stehen geblieben war, konnte man mit schaudern erahnen, was die Einwanderer den Indianern eigentlich angetan haben…

Gegen 8 waren wir dann endlich in Phoenix angekommen. Nach so einer Fahrt war das Jacuzzi des Hotels eine sehr willkommene Entspannung.

In den ersten beiden Nächten teilten wir uns das Hotelzimmer noch mit Eileen, Kaitlins Schwester und Amanda. Die beiden waren mit dem Flieger aus Ohio und Michigan angereist. Der Rest der Mannschaft war entweder privat bei Bekannten unterkommen, oder hat durch seine Leistungen als Coach oder Schiedsrichter vom Verein oder Verband irgendwo anders ein Hotelzimmer gestellt bekommen. Das Hotel, Comfort Suite, ging absolut in Ordnung. Ein großzügiges, essbares Frühstück, Jacuzzi und ein sauberes Zimmer machten den Aufenthalt sehr angenehm.

Am nächsten Morgen ging es dann zum ersten Mal zum Sportplatz. Jetzt konnte ich mir erstmals bei Tageslicht so richtig ein Bild von der Region machen. Jupp, Phoenix ist in der Wüste. Die Landschaft besteht aus Staubwüsten und die Vegetation ist geprägt von Palmen und Kakteen. Allerdings dachte ich jeden Morgen beim Verlassen des Hotels, dass um die Ecke gleich das Meer warten. Ein lauwarmer Wind schien immer eine leichte Briese des Meeres zu verteilen. Vielleicht spielte auch nur mein Körper verrückt, weil ich Palmen und 25°C automatisch mit Strandurlaub assoziiere. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das Reach 11 Sportgelände. 18!!! Fussballfelder auf einem Fleck. 17 davon Naturrasen, äußerst praktisch in der Wüste. Und alle mit großzügiger Flutlichtanlage. Die Anlagen kann man bestimmt vom Weltall aus sehen. Auf dem riesigen Gelände herrschte buntes Treiben. Auf allen Feldern waren Spiele der U16 und U19 Mädchenmannschaften zu Gange. Herum standen hysterische Eltern, nervöse Trainer und entspannt, gelangweilte Scouts. Das Turnier wird von vielen Colleges genutzt, um Bewerber auf Sportstipendien genauer unter die Lupe zu nehmen. So sitzen also an allen Feldern Trainer in College-Trainingsanzügen mit Laptop, iPad oder Blöcken und notieren sich die Leistungen einzelner Spielerinnen, die sich im Vorfeld bei ihnen beworben hatten. Mein Mannschaftskamerad, Austin, trainiert die College-Auswahl der Universität UC Davis in Californien. Er hatte das Vergnügen in den 4 Tagen 146 Spielerinnen zu begutachten um am Ende 6 Talente auszuwählen. Da spiel ich lieber selbst!

Hier eine kleine Auswahl meines Teams:

Mit der Leistung konnten wir im großen und ganzen recht zufrieden sein. Wir spielten immer recht gut mit, doch mussten wir uns dreimal mit einem Tor unterschied geschlagen geben. Ansonsten gab es gegen eine Auswahl aus ehemaligen amerikanischen Nationalspielern eine ordentliche 10 zu 1 Klatsche. Nur gegen das Heimteam aus Phoenix konnten wir mit 3-1 gewinnen. Im letzten Platzierungsspiel mussten wir dann unbedingt verlieren, damit wir alle rechtzeitig abreisen konnten. Aber auf die Ergebnisse haben wir sowieso nicht so geachtet. Der Spaß stand im Vordergrund. Und den hatten wir.

Am Donnerstag Abend mussten wir für das Thanksgiving Dinner etwas improvisieren. Mangels eigener Küche, Vorbereitung oder Reservierung fielen wir der Erkenntnis zum Opfer, dass an Thanksgiving praktisch niemand arbeitet. Zum Glück war dann doch noch ein TGI Fridays offen. Das war dann zwar kein typisches Truthahn Menü, dafür kam aber ein Großteil unser Mannschaft in unserem Hotel vorbei und wir machten es uns mit Essen und Getränken gemütlich.

Von der Stadt selbst hab ich kaum etwas sehen können. Nur einmal sind wir zur Abwechslung in das Viertel der Arizona State University gefahren, um was zu Essen. Auf der Fahrt wurde klar, wie riesig Phoenix ist. Ähnlich wie Denver wird auch hier vor allem in die Breite gebaut. Kaum ein mehrstöckiges Gebäude und dazwischen weitläufige Straßen. Sehr skurril war der Anblick von Weihnachtsbeleuchtung an Palmen und Kakteen. Also ich kann das wirklich nicht nachvollziehen, warum man in so einem Klima den Winter verbringen will. Ich brauch die kalten Monate zur Abwechslung.

Nachdem wir am Sonntag morgen um 8 etwas hüftsteif, aber erfolgreich das Spiel verloren hatten, warfen wir unsere müden Körper wieder ins Auto und rollten Richtung Denver.

Nach einer langen, trostlosen Fahrt erreichten wir erschöpft aber glücklich mit fröhlichen Erinnerungen, Inside Jokes und Running Gags wieder die alte Heimat in Denver.

Hier erwartete mich bereits mein neuer Führerschein. Nachdem ich in Flagstaff das letzte mal aus einer Bar verwiesen wurde, da sie meinen Perso nicht anerkennen wollten, ist damit nun endlich Schluss. Mit der relativ schäbig aussehenden ID werde ich jetzt keine Probleme mehr in Bars, Clubs, Restaurants oder Liquor Stores mehr haben. Das Herz auf dem Ausweis bedeutet übrigens, dass ich Organspender bin.

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