Rückmeldung

Nach meinem längeren Urlaub in Deutschland meld ich mich etwas verspätet wieder zurück. Wieder einmal verbrachte ich drei angenehme Wochen mit der Familie und Freunden in der alten Heimat. In der Zeit besuchte ich München, Erfurt, Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und natürlich Schweinfurt. Leider hat es mit einem geplanten Silvester in Burgberg nicht geklappt, aber dafür war sonst alles sehr angenehm. Im Urlaub ich geschätzt rund 100 Hörnchen gegessen. Auch generell ist mir aufgefallen, dass ich in Deutschland besonders die einfache, traditionelle Küche genieße, während ich in den USA viel häufiger neue oder exotische kulinarische Horizonte erforsche. Für den Urlaub hatte ich mir eine Einweg-Kamera mit Schwarz/Weiss Film besorgt. In der digitalen Zeit mit einem Überfluss an Handyfotos ist es einfach mal wieder schön diese Ungewissheit und selektive Auslese der analogen Fotografie zu erleben. Natürlich gewinnt man mit so einer Billigkamera keinen Preis bei der Photokina, aber um Qualität geht es bei den Schnappschüssen eh nicht. Und so sind auch 11 von 27 Bildern nix geworden, wobei mich aber nur zwei Fehlschüsse ärgern. Hier also mal eine kleine Auswahl.

Und was ist in den ersten paar Wochen sonst so passiert? Erstmal war es ziemlich ruhig im Büro. Nach meiner Rückkehr war Josh bereits in Japan, Freedle in British Columbia und Jonny in Finnland. Das war eigentlich ganz angenehm, denn so konnte ich mich ohne Ablenkungen gleich auf ein paar kommerzielle Projekte konzentrieren. Für K2 animierte ich einen Vor- und Abspann und für Zach’s neuen Arbeitgeber Distiller’s List erledigte ich ein paar Grafikdesign Arbeiten. Dazu kamen noch die üblichen Aufgaben für Level 1. Vor allem galt es erstmal wieder einen großen Schwung Merchandise zu entwerfen und unseren Talentwettbewerb Superunknown einzuleiten.

Während dessen verhandelte Josh von Japan aus weiter fleißig mit dem Besitzern des möglichen Bürogebäudes. Doch diese Verhandlungen kamen Anfang Januar zu einem plötzlichen Stop. Die Besitzer hatten im leerstehenden Gebäude die Heizung abgestellt. Das führte zu einem Rohrbruch im 1. Stock und so lief mehrere Tage unbemerkt Wasser vom ersten Stockwerk ins Erdgeschoss und schließlich in den Keller. Das Trockenlegen des Gebäudes kostete die Besitzer allein 50.000 Dollar. Und die Schäden wurden grob auf 200.000 Dollar geschätzt, wobei man die Schäden erst wirklich absehen kann, wenn man mit den Reparaturen anfängt. Nach diesem weitern Rückschlag gingen unsere Verhandlungen nur noch zäh voran, bis die Besitzer schließlich einen weiteren Käufer fanden, der bereit war, den vollen Preis trotz der neuen Schäden zu zahlen. Da konnten wir natürlich nicht mithalten. Wobei ich da auch irgendwie erleichtert bin. Irgendwie stand das ganze nicht unter einem guten Stern. Jetzt fangen wir also mit unserer Suche wieder bei Null an. Und die Suche wird nicht leichter, denn der Boom in Denver geht weiter. So haben selbst in den drei Wochen Urlaub drei neue Restaurants in unserer Nachbarschaft aufgemacht.

Ob der Boom mit dem sinkenden Ölpreis zusammenhängt, wage ich mal zu bezweifeln, da es in Denver ja schon seit längerem floriert. Trotzdem ist das billige Öl und Benzin hier schon ein Thema. Umgerechnet kostet hier heute der Liter Benzin schlappe 38 Eurocent! Da kommt der Norden Colorados ganz schön ins Schwanken, denn dort ist das Öl ein sehr großer Wirtschaftszweig. Den Rest des Landes freut’s natürlich.

Neben dem Öl und dem Immobilienboom ist aber besonders Amerikas Lieblingssport Football gerade das Hauptthema. Am kommenden Wochenende treten die New England Patriots gegen den Titelverteidiger Seattle Seahawks an. Für die Bewohner Denvers liest sich das ungefähr wie Pest gegen Cholera. Die Patriots sind ein langwieriger Rivale und die Seahawks hatten die Denver Broncos letztes Jahr im Finale ziemlich blamiert. So werden wir uns dieses Mal besonders auf die Werbepausen konzentrieren. Im wichtigsten TV Ereignis des Jahres trumpfen viele Marken traditionell mit besonders aufwendigen Werbespots auf.

Wenn mein Nachbar Jonnie und ich nicht gerade Football schauen, dann gehen wir wahrscheinlich ins Kino. Die Oscars werfen ihren Schatten voraus und so gibt es zur Zeit einige gute Filme zu sehen. Der Publikumsliebling American Sniper war für meinen Geschmack zwar etwas zu patriotisch, dafür war Foxcatcher ein echter Hingucker. Freunden von The Big Lebowski wird sicherlich Inherent Vice gefallen. Ich fand ihn ganz amüsant, doch die Handlung war etwas zu verwirrend. Und für Arthaus Fans kann ich die Filme Only Lovers Left Alive und Calvary empfehlen. Der nächste Film auf unserer to-do Liste ist Whiplash. Der Film über einen hochbegabten Jazz-Schlagzeuger wird bereits von allen Kritikern in den höchsten Tönen gelobt. Der Film muss aber bis nächste Woche warten, denn die nächsten Tage steht erstmal wieder die Wintersportmesse SIA an. Da gilt es den ganzen Tag von Meeting zu Meeting zu eilen und sich Abends mit der Industrie auf den Afterparties zu vergnügen.

Sportlich hat auch wieder eine neue Saison im Floor Hockey begonnen. Nach den ersten drei Spielen haben wir bereits unsere magere Ausbeute aus der vergangen Saison eingeholt. Dank neuem Torhüter und etwas mehr Glück läuft es diese Runde deutlich besser. Feldhockey lag über den Winter etwas auf Eis, da wir keine Halle finden konnten. Doch zum Glück hat der Winter sich in Denver die letzten Tage eine Auszeit genommen und so konnten wir bei 23°C letzten Sonntag endlich wieder mal draußen spielen. Aber im Winter ist es sowieso immer schwierig genügend Spieler zu finden, da es viele über die Wochenenden in die Berge zum Skifahren treibt. Fällt mir irgendwie schwer, bei den sommerlichen Temperaturen daran zu denken.

Zuletzt noch eine kleine Anekdote. Ein Kumpel aus Denver hatte zwischen den Jahren gefragt, ob wir nicht zusammen ziehen wollen. Sein Mietvertrag läuft zum Februar aus, und da überall die Mieten steigen, wollte er es in einer WG versuchen. Seine Überredungskünste hatten mich auch schon fast so weit, dass ich zugesagt hatte. Doch so ganz konnte ich mich nie von der Idee überzeugen, das Annehmlichkeiten des alleine Wohnens aufzugeben. Nach längerem Hin- und Her hab ich ihm dann doch absagen müssen. Im Grunde hätte ich es nur getan, um ihm einen Gefallen zu tun. Denn eigentlich bin ich mit meiner Wohnung und der Nachbarschaft noch sehr Zufrieden und war nicht dazu bereit, das alles aufzugeben. Jetzt ist er zwar noch ein wenig sauer auf mich, da ich meine Entscheidung so lange hinausgezögert habe, aber letztendlich ist ja doch jeder für sich selbst verantwortlich. Wird sich sicherlich bald wieder einrenken.

 

This entry was posted in GER ≠ USA, Hockey, News, Office Life. Bookmark the permalink.

Comments are closed.