SIA 2014 und das Super Debakel XLVIII

Da kommt man wirklich kaum zur Ruhe. Am Donnerstag startete also wieder die jährliche Wintersport Fachmesse in Denver. Das bedeutet für Josh und mich hauptsächlich durch die Halle laufen und Klinken putzen. Es gilt den Firmen wieder ein Marketing-Budget für unseren nächsten Film aus dem Kreuz zu leiern. Allerdings scheint sich der künstlerische Erfolg unserer Filme und die finanzielle Unterstützung der Sponsoren immer mehr ins Gegensätzliche zu bewegen. Über die Jahre hinweg steigt unsere Zahl der Fans, wir sammeln Preise und verkaufen mehr Filme, doch die Bereitschaft der Marken, ihre Fahrer finanziell in einem Film zu unterstützen sinkt. Das liegt zum einen an einem stagnierenden Markt und am Wachstum des Internets. Denn viele Fahrer wollen inzwischen mit selbst produzierten Webvideos ihr eigenes Geld verdienen. Klingt natürlich vernünftig, doch leidet in den meisten Fällen die Qualität der Produktionen und des Vertriebs. So gibt es zwar deutlich mehr Angebot an Fotos und Videos, allerdings zu oft mit amateurhafter Qualität und schlechter Vermarktung. Wie eigentlich überall im Internet.

Wie auch immer. Wenn man auf der SIA nicht gerade in einem Meeting sitzt, trifft man sich mit alten Bekannten und tauscht sich aus. Es ist eben ein alljährliches Klassentreffen der Industrie. Versüßt wird das ganze durch jede Menge Freibier, was jeden Nachmittag ab 17 Uhr an verschiedenen Messeständen ausgeschenkt wird. Nachdem man sich dann also bei ein paar Bier entspannt hat, geht es meistens direkt raus aus der Halle in den Trubel der Innenstadt zu Abendessen und Parties der Industrie.

SIA-hartman

Jon unterhält die Menge und Kyle, Taylor Brown versuchen sich im Nagel Spiel. Dabei muss man mit der spitzen Seite und vom Holzblock aus versuchen, seinen Nagel in das Holz zu schlagen. Da ist viel Geschick gefragt.

SIA-orage

Für uns stand am Donnerstag Abend ja wieder die Freeskier Party mit der Versteigerung von Fotos an. So kamen wieder allerhand Freunde und Bekannte aus der Industrie in unser Büro und in die benachbarte Galerie um Fotos vom Freeskiing zu ersteigern. Der Erlös ging an die Sarah Burke Foundation. Das oberste Bild ist auf der Party entstanden und zeigt Josh mit seinem Bruder Zach und unserem Büro Hund Simon. Jon, Taylor und ich waren da etwas weniger fotogen.

Die Party endete schließlich mit einer gelungenen Afterparty der Firma Orage im nahe gelegenen Meadowlark. Nach einem längeren, nächtlichen Spaziergang nach Hause durch frischen Schnee war der nächste Morgen doch etwas rau.

So in etwa ging es dann bis Samstag nacht weiter. Wobei ich mich am Samstag Nachmittag mal kurz für drei Stunden aus der verrückten Welt geschlichen habe, um Hockey zu spielen. Danach ging es aber gleich wieder ins Getümmel mit der Høt Pøssie, Jimbo von Tomahawk, XD aus Korea und Co.

Am Sonntag war ich aber wirklich froh, dass das bunte Treiben wieder sein Ende gefunden hatte. Und jetzt wartete ja das große Endspiel auf uns. Ganz Denver war schon seit zwei Wochen im Super Bowl Fieber, denn die Denver Broncos wollten endlich seit 15 Jahren mal wieder die Meisterschaft gewinnen. Jonnie hatte wieder einmal zu private viewing geladen. Nachdem wir mit polnischen Würsten, Krautsalat und gebackenen Peperoni verwöhnt worden sind, stand also das große Spiel gegen die Seattle Seahawks an. Doch bereits nach 12 Sekunden nahm das Unglück seinen Lauf. Durch ein Missverständnis beförderten die Broncos den Ball selbst in ihre eigene Endzone und schon war man mit zwei Punkten hinten. So ging es die gesamte erste Halbzeit weiter. Zum einen spielte die Defensive Seattles wirklich gut, zum anderen hat Denver aber einfach auch nichts auf die Reihe bekommen und so ging man mit 22 Punkten zu 0 in die Halbzeit. Bei so einem Ergebnis fällt es natürlich schwer, die Halbzeitshow zu genießen. Aber die Show war dieses Jahr sowieso ziemlich bescheiden. Nach der langen Pause hatten wir uns alle so langsam wieder Mut zugesprochen, doch das letzte Fünkchen Hoffnung war ebenfalls 12 Sekunden nach Wiederanpfiff erloschen. Mit einem Kick-Off Return erzielten die Seahawks die nächsten sieben Punkte. Jetzt glaubte auch der größte Optimist nicht mehr an ein Wunder und so mussten wir uns noch fast zwei Stunden diese Tragödie ansehen. 43-8 verloren. Was für eine Watschen?! Das Erinnerte in etwa an die Gemütslage in Deutschland, nachdem die Nationalmannschaft in Halbfinale gescheitert war. Etwas anderes ist mir aber doch aufgefallen. Schon im Vorfeld wurden Witze über bevorstehende Randale in der Innenstadt gemacht. So scheint es gerne in Städten der Finalisten zu Vorfällen zu kommen. Egal ob man gewinnt oder verliert. Scheinbar saß der Schmerz dieser Blamage in Denver so groß, dass nicht mal irgendwo eine Mülltonne umgefallen ist. Das perverse war aber, dass die lokalen Medien fast etwas enttäuscht darüber berichteten, dass in der Innenstadt alles ruhig zu verlaufen scheint. Das ähnelte dann wohl den Autorennen der Nascar, wo tausenden Zuschauer eigentlich nur darauf warten, dass es zu einer Karambolage kommt.

Heute Abend gab es dann für mich aber ein versöhnliches Kontrastprogramm. Kaitlin, Dan und Drew hatten noch eine Karte für ein Basketballspiel der Nuggets übrig. Also traf ich mich mit einer großen Gruppe im Pepsi Center und wir sahen ein super Spiel. Es wurde munter gedunkt und das Spiel war durchweg ausgeglichen. Mit sechs Sekunden vor Schluss gingen die LA Clippers durch einen Dreier mit zwei Punkten in Führung. Doch die Denver Nuggets konterten mit einem ziemlichen Sonntagsschuss. Während der Ball durch die Luft segelte, ertönte bereits die Schlusssirene. Wie im kitschigen Hollywoodfilm fand der Ball doch noch seinen Weg in den Korb uns so gewannen die Nuggets mit 116-115. Ein krasses Spiel!

Pepsi-Center-Nuggets

 

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