Truthahn, Skifahn, Autofahn

Hui, hätte ich mal besser am Wochenende was geschrieben. So muss ich doch noch etwas weiter ausholen.

Am vergangenen Freitag wurde ich von Will, einem Teamkollegen vom Hockey, zum Festmahl eingeladen. Gemeinsam mit seiner Schwester schmeißen die beiden ab und an große Dinner und laden ein paar Freunde zu sich ein. Letzten Freitag hatte ich also die Ehre. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Chef de Cuisine

Will hatte ein grandioses vorgezogenes Thanksgiving Menü gezaubert. Neben einem köstlichen Truthahn hab es Süßkartoffelnbrei, Kartoffelbrei, Orzo Reis, Stuffing (sowohl in den Truthahn als auch als Beilage: Brotkrümel, Gewürzte, Gemüse und Wurst), Kohlsalat und Gravy. Nach dem Essen rollten wir rüber auf die Coach, zwei weitere Mädels aus unserem Team kamen noch vorbei, wir machten ein paar Wein auf und philosophierten über Hockey und Colleges. Ist schon immer wieder interessant, wie unterschiedlich Feldhockey hier organisiert ist. Hier ist einfach alles zu sehr von Schulen und Hochschulen abhängig. Sobald man seinen Abschluss hat, ist es mit dem Leistungssport vorbei.

Das restliche Wochenende war nicht der Rede wert. Außer vielleicht das Frühstück im Le Grand mit Bottomless Mimosas. Das Le Grand entwickelt sich langsam zu unserem Hotspot. Dabei fällt mir gerade was ein. Eines unserer beliebten Frühstückslokale “Jelly” wurde vergangenen Monat im nationalen Fernsehen auf dem Food Channel erwähnt. Und schwups, stehen die Leute am Wochenende vor der Tür Schlange. Kyle und ich mussten neulich schon 40 Minuten auf einen Tisch warten. The Kiss of Death. Jetzt brummt zwar der Laden, aber es ist jetzt immer so voll, dass man nicht mehr hingehen kann. Ist Steuben’s ja auch schon passiert.

Relativ spontan beschlossen Mark, Kyle und ich am Montag Skifahren zu gehen. Ich hab zwar immer noch keine Ski und Bindung, aber dank des ausgiebigen Fundus in diversen Kellern, hab ich mir ne Ausrüstung organisieren können. So haben wir dann noch Chip eingepackt und sind nach Keystone gefahren. Nachdem Kyle und ich unsere gesponserten Saisonkarten (inkl. Keystone, A-Basin, Breckenridge, Vail, Beaver Creek) abgeholt hatten, konnte es losgehen. Das Wetter war ok, etwas windig vielleicht. Von den Pisten war es auch noch relativ eingeschränkt. Im Grunde waren nur zwei Pisten offen. Aber das war Wurscht. Es war einfach sehr witzig, mit der Truppe rumzublödeln. Zumal das wahrscheinlich die einzige Gelegenheit des Jahres war, mit Kyle gemeinsam Ski zu fahren.

Neben den ganzen geliehen Sachen, war es aber schön, dass wir am Freitag zuvor unser Paket von Orage bekommen haben. Ich hab eine Skihose und eine Jacke abgestaubt. Sehr geile Ware. Beides passt super und ist mit vielen technischen Details ausgestattet. Die Jacke ist sicherlich meine beste Jacke, die ich bis jetzt hatte. Einige werden sich jetzt vielleicht wundern, warum alles in Schwarz? Das liegt daran, dass wir die Sachen ja hauptsächlich für die Ausübung unseres Berufes bekommen. Und für Filmer ist schwarz die beste Farbe, weil man dann nicht so sehr auffällt. Wenn von mehreren Winkeln gefilmt wird, kommt es nicht so gut, wenn ein leuchtendes Männchen mit Kamera in Rot am Hang rumsteht. Aber dafür ist es ja umma sünst! :-)

So betreibt die Generation 2.0 ihre Konversation in der Gondel. ;-)

Nach ein paar Abfahrten machten wir den Einkehrschwung in Frisco im Red Mountain Restaurant. Dort arbeitet Wesley, die ich seit der After Dark Premiere nicht mehr gesehen hab. Ein durchaus gelungener Tag zur Eröffnung meiner Skisaison.

Am Abend war ich mit Georgia in “The Rum Diary” im Kino. Sehr witziger Film, nur das Ende ist irgendwie enttäuschend. Aber wer das Buch gelesen hat, wird das ja schon wissen.

Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Thermal Tall T’s. Gemeinsam mit Kramer und unserem Praktikanten Tobi, haben wir ca. 3 Stunden lang Longsleeves begutachtet und gefaltet. Da musste ich dann doch wieder mal an meine Schichtzeiten an der Montage Linie II im Werk Süd bei ZF Sachs denken. Monotonie im Akkord.

Ich würde sagen, auf dem Foto sieht man nur ein Drittel der Ware. Diese Lieferung ist hoffentlich die letzte, die wir noch mit Geschick und Gewalt irgendwie im Haus verstauen müssen. Der Keller platzt aus allen Nähten und die Garage auf der anderen Straßenseite ist jetzt auch voll. Es wird also allerhöchste Zeit, dass wir endlich in unser Büro umziehen können.

Heute war ich beim DMV. Das ist die Führerscheinstelle. Nachdem mir von einem holländischen Mannschaftskollegen gesteckt wurde, dass bestimmte Länder in Europa einen Deal zum Austausch des Führerscheins mit USA haben, hatte ich mal beim DMV angerufen um mich zu vergewissern. Und tatsächlich. Auf deren Website steht zwar, dass man das volle Prozedere aus Theorietest, Sehtest und Fahrprüfung absolvieren muss, wenn man keinen Führerschein aus den USA hat. Aber mir wurde dann zugesichert, dass man seinen ausländischen Führerschein gegen den amerikanischen eintauschen kann. Man darf allerdings nicht beide besitzen. Also bin ich heute früh zur Behörde gefahren. Zu meiner Freude, musste ich auch überhaupt nicht warten. Doch dann die Enttäuschung. Ich hatte alle Unterlagen dabei, die auf der Website angegeben waren. Reisepass, Visum, Nachweis zum Wohnsitz in Colorado, Sozialversicherungsnummer und 21$ in bar. Natürlich gab es wegen meinem H1B Visum wieder eine Extrawurscht. So musste ich auch noch den Sitz meines Arbeitgebers in Colorado nachweisen. Also alles wieder eingepackt, ins Auto gehüpft und zu Hause einen Wisch auf Level 1 Briefpapier ausgedruckt. Zum Glück war aber auch im zweiten Anlauf kaum Betrieb auf dem Amt. Beim Antrag muss man direkt vor Ort einen kurzen Sehtest machen. Lustiger weise hab ich den ohne Brille bestanden! Mutig, mutig, dass sie Leute mit -1,25 noch ohne Sehhilfe auf die Straße lassen. Bei aller Nachlässigkeit hat der Sehtest aber auch einen Vorteil. Die Führerscheine in den USA sind nur für 3-5 Jahre gültig. So muss man also alle fünf Jahre einen Sehtest machen. Das wäre in Deutschland sicherlich auch nicht schlecht, um die 80 jährigen Maulwürfe aus dem Straßenverkehr auszusortieren. Nachdem ich also die 21$ bezahlt hatte, mein Foto gemacht wurde und mein deutscher Führerschein gelocht wurde – ooooh – war ich 40 Minuten später wieder draußen. Jetzt bekomme ich in den nächsten drei Wochen meinen Führerschein zugeschickt. Eigentlich geht es mir bei dem Führerschein ja hauptsächlich um die Fähigkeit, einen in USA anerkannten Ausweis zu haben. Mit meinem Perso bin ich ja immer wieder mal in Bars, Clubs oder Restaurants in Probleme geraten. Aber scheinbar kann man auch ein Ticket erhalten, wenn man länger als 3 Monate in den USA lebt, und mit fremden Führerschein rumfährt. Also war es jetzt dann schon mal an der Zeit.

Als ich wieder zurückkam, begrüsste mich das nächste Goodiebag im Büro. Unsere Bestellung von Dakine war angekommen. Juhu. Endlich hab ich gescheite Taschen und Rucksäcke. Eine große Reisetasche, einen Trolly fürs Handgepäck, einen Rucksack zum Skifahren oder Wandern und einen simplen Rucksack für den Alltag. Achja, bei diesen Lieferungen lässt es sich dann auch mal verschmerzen, dass der Gehaltsscheck in meinem Business etwas kleiner ausfällt. Wenn man dafür nix für seine Hobbies ausgeben muss, gleicht sich das ja fast wieder aus.

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