Urban Superbowl Pills

Am Samstag zogen Seo, Hornbeck, Will, Drew und ich um die Häuser um weitere urbane Feature zu filmen. (Ich weiß echt nicht, wie ich Urban sinnvoll in einem Wort übersetzen könnte) Es standen ein Rail-to-Fence Gap und ein Up-Rail Objekt auf dem Plan. Verzeihung für mein Fachchinesisch.

Urban zu filmen zählt wirklich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Man benötigt dafür viel Ausdauer, warme Kleidung und Geduld. Man verbringt viel Zeit im Auto um von Feature zu Feature zu fahren. Wenn man dort ist, beginnt meistens ein mühsamer Aufbau. In der Regel muss man eine Schanze und eine Landung mit Schnee schaufeln. Je nach Umgebung braucht es dann noch eine Strecke mit Schnee für den Anlauf. Da die Zäune, Geländer, Wände oder Treppen meistens irgendwo bei Schulen, Firmen oder öffentlichen Gebäuden zu finden sind, wird da natürlich überall Schnee geräumt. Das heißt man muss also erstmal den halben Schnee wieder zurück schleifen. Hinzu kommen noch der Aufbau von Lichtern und der Seilwinde, mit der die Fahrer auf die nötige Geschwindigkeit kommen. Ist alles aufgebaut, tasten sich die Fahrer langsam an das Objekt ran. Manchmal geht es ruck zuck und wir haben einen guten Trick im Kasten. Doch bei Geländern kann es schon mal vorkommen, dass die Fahrer erst im siebzigsten Anlauf den richtigen Trick schaffen. Dazwischen muss immer wieder mal die Schanze oder die Landung präpariert werden oder die Fahrer müssen die Seilwinde zurückziehen. Hier ist also Stehvermögen gefragt. Manchmal müssen wir auch feststellen, dass sich auf dem Objekt doch kein Trick ausführen lässt. Und zu allem Aufwand kommt noch die Gefahr hinzu, dass man jeden Moment von einem Hausmeister, Sicherheitsmann oder Polizisten vom Gelände geschmissen wird. Für alles Drehgenehmigungen zu besorgen, wäre 1. viel zu teuer, 2. viel zu viel Papierkram und 3. manchmal überhaupt nicht möglich.

Will Wesson denkt sich was Verrücktes aus. War für Video aber nicht geeignet.

So wurden wir auch gestern zweimal vom Gelände geschmissen. Zum Glück haben wir wenigsten jeweils von einem Fahrer etwas filmen können. Die ganze Plackerei war also nicht völlig umsonst. Nach dem zweiten Feature sind wir noch um 23 Uhr in einen Park gefahren, um schon mal die Schanze für den nächsten Tag zu schaufeln. Es war also mal wieder ein langer Tag draußen mit viel Schaufelei und schlechtem Essen.

Da war ich heute sehr froh, dass die Jungs auf mich verzichten konnten. Deshalb konnte ich in Ruhe den Sonntag genießen. Dafür stand mein erster Superbowl in Amerika an. Das Finale der Amerikan Football Saison hab ich die letzten Jahre eigentlich immer schon Nacht in Deutschland verfolgt. Allerdings ist es natürlich viel interessanter, sich dieses kulturelle Spektakel mal vor Ort anzuschauen. In den Supermärkten wurde bereits kräftig für die Hauptspeise Nummer 1 geworben. Chicken Wings sind für den Amerikaner und den Superbowl ungefähr so, wie dem Deutschen die Stadionwurst beim Fubbes.

Gemeinsam mit Kaitlin und Lucy war ich bei Lucy’s Bekanntem Steve eingeladen. Steve hat uns bestens mit Fingerfood, Getränken und einem gigantischen HD Fernseher versorgt. Da der Superbowl jährlich der TV Event mit den höchsten Einschaltquoten ist, wird extrem großer Wert auf die Werbepausen gelegt. Jedes Jahr versuchen die Firmen den witzigsten, gigantischsten oder emotionalsten Spot in die Wohnzimmer zu bringen. 63% der Amerikaner behaupten deshalb, den Superbowl eigentlich wegen der Werbung zu schauen. Dieses Jahr waren nur wenig gute Spots dabei. Richtig im Kopf geblieben ist mir nur die Werbung für den neuen VW Beetle. Doch auch das Spiel selbst hatte dieses Jahr guten Unterhaltungswert. Die New England Patriots und die New York Giants machten es bis zum Schluss spannend und mit den Giants gewann schließlich der Sieger der Herzen. Die Patriots kann man ein bisschen mit dem FC Bayern vergleichen. Viele neutrale Footballfans können die Patriots nicht leiden und wünschten so den Giants den Sieg. Als Fazit würde ich sagen, dass der Flair des Spiels vielleicht gut an ein UEFA Champions League Finale rankommt. Mit der allgemeinen Faszination und Begeisterung eines FIFA World Cup Finales kann es aber nicht mithalten.

Da ich immer noch eine mächtige Erkältung mit mir rumschleppe, hab ich mir heute mal schleimlösende Tabletten gekauft. Das Thema Medikamente läuft in Amerika doch etwas anders ab. In den USA sucht man Apotheken vergebens. Stattdessen haben die meisten Supermärkte eine eigene Abteilung für Arzneimittel. An einem Tresen bekommt man dort die Medikamente gegen Rezept. Die rezeptfreien Sachen findet man dagegen ganz normal in den Regalen zwischen Haarshampoo und Toilettenpapier. Verkauft werden die meisten Tabletten in kleinen Döschen bzw. Fläschchen. Die übliche flache Verpackung mit den Tabletten zum rausdrücken hab ich in den USA noch nirgends gesehen. Dazu kommt noch, dass die einzelnen Tabletten hier schwächer dosiert sind. Der Ami schluckt in der Regel immer gleich mehrere Pillen auf einmal. Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht kann man durch die Döschen und die schwächere Dosierung mehr Tabletten verkaufen. Weiß ich nicht so genau. Nur sind die Döschen nicht sehr praktisch, weil man zB. auf Reisen mächtig viel Verpackung mit sich rumschleppen muss. Aber das in den USA einige Sachen nach einer anderen Logik gemacht sind, haben wir ja schon häufiger festgestellt.

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