Welcome to America

Am Freitag kam meine neue Debit Karte mit der Post. Damit hab ich einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Americanization bewältigt. Goodbye Bargeld. Ein echter Amerikaner bezahlt wirklich alles mit Karte. Also weihte ich die Karte Freitag Abend im Kino gleich ein. Ich war mit Jonnie und Kathryn in Everything Must Go. Guter Film. Eine ungewohnt ernste Rolle von Will Ferrell. Aber in bester Bill Murray Manier weiß Ferrell mit tragisch-komischen Momenten zu überzeugen. Der Film hatte sicherlich ein paar längen, aber im großen Ganzen wurde ich gut unterhalten. Und ich hab jetzt gelernt, was fremdschämen auf Englisch heißt: Second-Hand Embarrassment. Jupp, der Toeffy hätte sicherlich einige schwere Momente in dem Film gehabt.

Am Samstag ging dann der Scheckkartenweitwurf weiter. Das fast schon obligatorische Samstags-Frühstück bei Strings mit Zach, Kramer, Lindsey und Josh. Zach hat ein sehr interessantes Job-Angebot von Salomon Frankreich erhalten. Ich denke zwar, dass es ein heftiger Kulturschock für Zach wäre, aber ich hab ihm trotzdem dazu geraten, den Job anzunehmen. Es wäre für 3 Jahre und er könnte eine super Erfahrung machen. Ich merk’s ja selbst, so ein Auslandsaufenthalt bringt einem wirklich viele positive und interessante Erfahrungen. Bin gespannt, ob er das Angebot annimmt.

Samstag Nachmittag ging ich dann auf Fahrradeinkauf. Auf Craigslist.com hab ich nach gebrauchten Fahrrädern geschaut, aber irgendwie war da nix gescheites dabei. Entweder zu teuer oder zu schrottig. Ein Kumpel von Kyle, der in einem Bikeshop arbeitet, hab ich das Trek Earl empfohlen bekommen. Jupp, almost a Fixie-Bike. Ich muss gestehen, dass ich lange mit dem Gedanken gespielt hab, das Fahrrad zu kaufen. Kein Schnickschnack, simpel, robust und bezahlbar. Ein paar Blocks um die Ecke ist ein mini Fahrradshop. Eher so ein Garagenstyle. Dort arbeiten zwei ältere Typen, die alte Fahrräder aufkaufen, reparieren, aufmöbeln und wieder verkaufen. Die zwei Jungs erinnerten mich irgendwie an die Typen von Mythbusters. Ziemlich nerdy aber echt sympathisch. Und dort wurde ich auch gleich fündig. Nach einem hilfreichen Verkaufsgespräch hab ich mich dann doch wieder für ein Mountain-Bike entschieden. Allerdings mit fixed gear. Die Gangschaltung ist eh immer das erste, was Probleme macht. Und mein letztes Fahrrad in Mainz hatte auch nur noch einen Gang (wegen kaputter Gangschaltung) und ich hab nie mehr Gänge vermisst. Das Mountainbike ist praktisch, weil ich mir damit keine Gedanken über Bordsteine machen muss. Wenn ich Fahrrad fahre, will ich mit nicht um Schlaglöcher oder Bordsteine sorgen. Da wäre ein Roadbike mit normalen Reifen etwas anfällig. Ich hab die Jungs dann noch von 400$ auf 360$ runtergehandelt und schwupps, jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Fahrrads.

Gestern war auch endlich mal ein erträglicher Wettertag. Den haben die Bermans dazu genutzt, im Garten zu arbeiten. Josh’s aktuelles Projekt ist der Rasen. Durch den Winter und die Hunde ist der Rasen in ziemlich üblem Zustand. Jetzt kämpft Josh mit mehreren kahlen Stellen. Er meint, einen Monat probiert er es noch und wenn bis dann immer noch nix wächst, holt er sich einen Fachmann. Lindsey dagegen hat wieder unser Kräuterbeet aufgestockt. Und für’s Auge gab es noch einige Blümchen dazu.

Lindsey präsentiert stolz ihre neuesten Errungenschaften

Gestern Abend waren wir dann zum Dinner mit Zach verabredet. Er hatte Besuch von Freunden aus Tahoe. Eigentlich wollten wir zu Steuben’s. Mein absolutes Lieblingsrestaurant in Denver. Das urige Dinner bietet verboten leckere Klassiker der Amerikanischen Küche. Meatloaf, slow-roasted chicken, Mac’n’Cheese, homemade fries, etc… “Leider” wurde Steuben’s neulich in einer Fernsehsendung über Amerikas beste Drive-Inns, Dinners & Dives gezeigt. Was zur Folge hat, dass der letztjährige Geheimtipp nicht mehr Geheim ist und jetzt jeder Depp hinrennt. Da die wenigsten Dinner in USA Reservierungen annehmen, ist es also ein ziemlicher Akt, einen Tisch bei Steuben’s zu bekommen. 1,5h Wartezeit für einen Tisch sind an einem Samstag normal. Glücklicherweise hatte Zach einen neuen Geheimtipp auf Lager. Euclid Hall. Dort mussten wir zwar auch auf einen Tisch warten, aber die 20 Minuten haben wir uns an der Hausbar vertrieben. Dort gönnte ich mir erstmal einen verdammt guten Gin Gimlet. Das Lokal bietet eine sehr abgefahrene Speisekarte mit einer Mischung aus aufgewerteten Klassikern aus USA und Europa. So gibt es zB. eine große Auswahl an hausgemachten Bratwürsten. Sogar eine Kalbs-Weißwurst war im Sortiment. Ich entschied mich für einen Triple Decker Chicken Schnitzel Sandwich. Hammer! Drei Lagen paniertes Schnitzel mit einem genialen Apfel-Kümmel-Krautsalat dazwischen. Zach zB hatte Chicken & Waffles. Abgefahrenes Gericht. Eine Mischung aus Hähnchen, Sauerteigwaffeln, Ahornsirup und gerösteten Wallnüssen. Krasses Gericht. Als Appetizer gönnten wir uns Oyster-Shots. Jupp, mein erstes Mal Auster. Die Auster wird in einem Schnapsglas mit Limettensaft und Tequilla serviert. Dadurch hab ich zwar nicht wirklich den authentischen Austerngeschmack erfahren, aber es war echt lecker. Das Lokal war echt super. Trotz der ausgefallenen Küche ist das Ambiente sehr locker. Fast wie in einer Kneipe. Auch die Preise waren absolut fair und bezahlbar. Unsere Truppe aus Josh, Lindsey, Zach, Lauren, Megan, Steve und ich hatten echt viel Spaß. Und am Ende haben wir einfach die Rechnung gleichmäßig durch 7 geteilt. Wenn der eine ein etwas teureres Essen hatte, hat sich das beim anderen durch einen Drink wieder ausgeglichen. Ist eigentlich eine coole Idee. Natürlich schmeißen wieder alle ihre Kreditkarte in die Mitte. Wie gesagt, nix Bargeld. Das Trinkgeld regelt man so. Die Bedienung kommt mit 7 Quittungen und den Karten zurück. Angenommen meine Rechnung beträgt 15,53$. Darunter ist ein freies Feld, wo man das Trinkgeld einträgt. Dann rechnet man das zusammen und schreibt den Endbetrag auf die Quittung. Noch Unterschreiben und fertig. Wenn die Bedienung den Bong rauslässt, bleibt die Rechnung quasi noch offen. Danach trägt sie das Trinkgeld ein und alles wird zusammen von der Karte abgebucht.

Nach dem Dinner verließen uns Josh und Lindsey nach Hause. Die restliche Truppe stürzte sich ins Getümmel. Oh je, schon wieder LoDo. Allerdings war es diesmal wesentlich entspannter. Steve findet LoDo genau so bescheuert und so konnten wir uns gut über die anderen Gäste amüsieren. Und mit den beiden Mädels in der Truppe hat sich auch Zach benommen. 😉

Heute steht der Tag ganz im Sinne von Gammeln. Den Kater auskurieren, Blog schreiben und Eishockey schauen. Später guck ich mir noch das letzte Saisonspiel von Liverpool an. Zu mehr bin ich heute auch nicht in der Lage. Also ein gelungenes Wochenende!

Oh, dann gibt’s noch zu erwähnen, dass ich am Freitag meine Social Security Card beantragt habe. Ich war sehr gespannt, wie hier so ne typische Behörde aussieht. Hat etwas gedauert, bis ich den Eingang zu dem Büro gefunden hab. Ein winziger Aufzug führte in den 2. Stock des Gebäudes. Dann ging es drei lange, leere Gänge entlang. Sehr bizarre. Am Ende war dann ein Raum mit vielen Schaltern und ein Tisch, wo ein Sicherheitsbeamter saß. Der Rest ist dann ziemlich unspannend. Nummer ziehen und warten. In Saal war eine interessante Mischung aus chinesischen Studenten und zweifelhaften Gestalten. Außer einem kurzen Wortgefecht zwischen einem Schwarzen und einem Latino gab’s nicht wirklich was zu sehen. Als ich dran war, reichte ich meinen Pass und ein ausgefülltes Formular durch das Sicherheitsglas. Die Frau am Schalter tippte 5 Minuten in ihren Computer ein und fertig war ich. Die Karte kommt mit der Post. In 40 Minuten war ich wieder draußen.

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3 Responses to Welcome to America

  1. jo** says:

    man man man, ganz schön busy der schui!! schön, dass es dir gut geht, du alter checker**
    liebe grüße aus dem warmen mainz, jo**

    p.s. stell mal bitte mehr fotos von dem süßen hund rein, hihi**

  2. Henni says:

    Du hast dir ein Fixed-Gear gekauft? Deine Beschreibung hört sich irgendwie eher nach Single-Speed an. Fixie ist doch saunervig oder?

    Hope you`re doing fine.
    Hs

  3. Pingback: Flash Flood! | blog.schui.tv